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Die Kapitalmarktstimme.at Daily Voice hat sich in der Episode „IVA von Zukunftsdepot-Entwurf enttäuscht, Nachteile für Österreichische Aktien“ mit den bekannt gewordenen Details zum geplanten Zukunftsdepot befasst. Host Christian Drastil sprach dazu mit Florian Beckermann vom Interessenverband für Anleger (IVA), der in einer Aussendung deutliche Kritik geäußert hatte.
Der IVA hat seine Pressemeldung mit „Zukunftsdepot ohne Aktien und mit fehlender Zukunftsperspektive“ überschrieben. Laut Beckermann ist das Zukunftsdepot aktuell das beherrschende Thema der gesamten österreichischen Kapitalmarktszene. Die Details seien in den vergangenen Tagen vor allem über Medien und Informationsgespräche bekannt geworden. Was dabei präsentiert wurde, habe den Verband „eher enttäuscht“.
Die Enttäuschung beschränke sich nicht auf den IVA. Beckermann verweist auf den ersten Tag der Gewinnmesse, an dem die allgemeine Enttäuschung in der Branche groß gewesen sei. Eine Ausnahme sieht er bei den Banken, die „vielleicht ein wenig glücklich“ seien. Die Branche selbst sei aber wirklich enttäuscht.
Die Erwartungen waren offenbar höher. Enttäuschung bedeute, so Beckermann, dass man mehr erwartet habe, nämlich echte Kapitalmarktanreize, eine Aktienkultur und eine Kapitalmarktförderung. Die bekannten Details wirkten dagegen wie eine „Kapitalmarktförderung mit angezogener Handbremse“.
Der IVA hat nach Angaben Beckermanns mehrere Elemente herausgearbeitet:
Der Host verweist auf die Dividendenstärke Österreichs: Die heimischen Unternehmen schütten im internationalen Vergleich verlässlich aus, was zur DNA des österreichischen Kapitalmarkts gehöre. Im Konzept des Zukunftsdepots spielten weder österreichische Aktien noch Dividenden eine Rolle.
Beckermann greift einen Punkt aus der „Gerüchteküche“ auf. Demnach sollen Dividenden während der Laufzeit des Zukunftsdepots weiterhin der Kapitalertragsteuer (KESt) unterliegen. Das hält er für „total kontraproduktiv“ gegenüber den Gegebenheiten des heimischen Marktes. Der österreichische Kapitalmarkt sei dividendenstark. Die Wertentwicklung eines Portfolios mit österreichischen Titeln speise sich daher wesentlich aus der Dividendenperformance.
Werde diese Komponente steuerlich abgeschnitten, blieben vor allem Fonds mit thesaurierenden Produkten übrig. Thesaurierend bedeutet, dass Erträge im Fonds verbleiben und wieder angelegt werden, statt ausgeschüttet zu werden. Solche Produkte gebe es vor allem bei US-Titeln. Beckermann fragt deshalb: „Also fördern wir jetzt US-Titel?“ Ob das dem Finanzminister recht sei, wisse er nicht. Er bezeichnet das als „ein bisschen komisch“.
Der Host ergänzt, dass auch andere Länder mit derartigen Programmen eine volkswirtschaftliche Stärkung des eigenen Landes geschafft hätten. Im Trend zum weltweiten Portfolio, der an sich nichts Schlechtes sei, werde dieser Aspekt oft nicht mitgedacht.
Drastil berichtet von einem Gespräch mit Christoph Boschan am Vormittag. Dabei sei es auch um das „Giesskannengeld“ gegangen, die 500 Euro, die der Staat zum Start gibt. Seine Sicht: Der Staat gebe hier Geld aus, das es eigentlich nicht gibt.
Die überzeugende Geschichte wäre aus Sicht des Hosts eine andere gewesen. Über eine Behaltefrist hätten mehr Menschen an den Kapitalmarkt herangeführt werden können. Über den Dividenden-Case, den er für unstrittig hält, hätte sich sogar das Steueraufkommen steigern lassen. Diese Argumentation sei in der aktuellen Diskussion verschwunden.
Sein persönlicher Eindruck: Jede Partei habe ihre eigene DNA einbringen wollen, und das Ergebnis sei „ein bisschen ein Murks“. Das ist die Einschätzung des Hosts, nicht des IVA.
Zum Kernkritikpunkt erläutert Beckermann den Mechanismus. Nach aktuellem Stand würde das Portfolio mit dem 18. Geburtstag als Startkapital gelten. Ab diesem Zeitpunkt fiele KESt auf alle Gewinne an, also auf Dividenden und Kurssteigerungen. Als Startkapital für eine Wohnung, eine Ausbildung oder den Berufseinstieg sei das durchaus gut.
Das Problem liegt für ihn woanders. Die arbeitende Bevölkerung, die Generationen davor und danach sowie viele junge Menschen, die während der Pandemie eingestiegen sind und heute etwa 25 Jahre alt sind, steuerten laut Beckermann auf eine Unterversorgung durch die erste Säule zu. Das zeige sich auch im Budget. Die zweite Säule sei in Österreich nicht so deutlich ausgeprägt. Diese Lücke heißt Versorgungslücke.
Der IVA hat nach Beckermanns Worten ein Interesse daran, dass sie nicht entsteht. Dafür nennt er drei Ansatzpunkte:
Genau bei der dritten Säule breche das Zukunftsdepot ab. Es lasse den Anleger „wieder allein“.
Beckermann betont, dass es das Gesetz noch nicht gibt. Es folge eine Begutachtung. Er hofft, dass sich dabei „das eine oder andere Element“ einbringen lässt, das das Ganze nachhaltiger für den Markt macht.
Zu seiner Rolle sagt er, der IVA werde sich im Begutachtungsprozess einbringen. Eine ganze Reihe von Gesetzen müsse geändert werden, vor allem das Einkommensteuergesetz. Der Verband werde alle diese Elemente begutachten. Auf die Frage, ob er nur E-Mails schicken könne, antwortet er mit einem Schmunzeln, er schicke „dauernd E-Mails“.
Unabhängig vom Gesetzgebungsverfahren plant der IVA ein Bildungsangebot. Es werde viele Fragen zum Zukunftsdepot geben, vor allem von Menschen, die bisher kaum Berührung mit dem Kapitalmarkt hatten. Zudem gebe es Eltern, die die 500 Euro nicht in Bundesschätze investieren wollen.
Der Kurs steht laut Beckermann bereits fest. Er soll Basisinformationen zum Zukunftsdepot vermitteln und das Thema Anlegerschutz in diesem Zusammenhang behandeln. Das Angebot richtet sich an IVA-Mitglieder, aber auch an alle anderen interessierten Eltern, Großeltern und weitere Personen.
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